Reisetipps für Bayern, Schwaben, Tirol, das Trentino und die Adria

12. Oktober 2018

Wetten, dass Sie von dieser Urlaubsgegend noch nie etwas gehört haben!

Für die Römer war sie mythenumwobenes Grenzland, waldreich, geheimnisvoll und unzugänglich. Und noch heute, zwei Jahrtausende später, scheint sich die Region des Schwäbisch-Fränkischen Waldes – ihrer zentralen Lage zum Trotz – darin zu gefallen, etwas abseits zu stehen. Dem Feriengast kann es recht sein; denn so darf er sich ganz auf einen Kurzurlaub voll kleiner Entdeeckungen freuen.

Wäre Baden-Württemberg der Rumpf eines menschlichen Körpers, dann nähme der Schwäbisch-Fränkische Wald ziemlich genau die Positions des Herzens ein. Seiner Fläche nach anderthalb mal so groß wie Berlin, hat der Naturpark rein geographisch nichts mit dem bayerischen Franken zu tun; vielmehr umfasst er einen guten Teil Ostwürttembergs. Schwäbisch-Fränkische Waldberge, Schurwald und Welzheimer Wald machen ihn zu einer Art Patchwork-Region, eingerahmt von den Städten Backnang, Beilstein, Weinsberg, Öhringen, Schwäbisch Hall, Gaildorf, Lorch und Schorndorf. Es gibt kleine, knuffige Burgen, Brunch auf dem Bauerhof und eine Waldbahn, die von Schorndorf nach Welzheim fährt. Knapp 23 Kilometer weit schnauft sie sich bis Ende Oktober wochen- und feiertags durchs hügelige Gelände. Drei Viadukte überquert sie dabei und gelegentlich berauschen sich die Fahrgäste nicht nur an der schönen Landschaft, sondern erfreuen sich zum Beispiel an einer Whisky-Verkostung; sogar eine schwäbische Waldfee ist dann mit an Bord.

Drei Ziele sind bei einem Besuch des Schwäbisch-Fränkischen Waldes besonders zu empfehlen. Schön gelegen und leicht erreichbar – der Ebnisee, ein Stausee, der ursprünglich der Flößerei diente und der heute sogar zum Baden einlädt. Dann: die Hörschbachschlucht. Von Murrhardt und seinem (sehr lohnenswertem) Ortszentrum aus könnten Sie zu einer Wanderung zu zwei wildromantischen Wasserfällen aufbrechen. Zwar misst die Strecke gerade mal zehn Kilometer; doch der Weg durch die Schlucht ist anspruchsvoll und erfordert solides Schuhwerk. Gute drei Stunden sollten Sie da schon einplanen. Oder: das UNESCO-Welterbe Obergermanisch-Raetischer Limes. Mit dem Grenzwall, errichtet im 2. Jahrhundert, schotteten die Römer ihr Weltreich gegen Kelten und Germanen ab. Heute durchziehen die Reste des Limes den Naturpark in voller Länge – von Lorch im Süden bis Öhringen im Norden. Dort sowie in Mainhardt, Murrhardt und in Welzheim war der Wall mit Kastellen bewehrt; vielerorts sind die Wachturmfundamente und Limes-Abschnitte noch zu sehen, so etwa bei Pfedelbach-Gleichen oder zwischen dem Rot-Tal und Großerlach-Grab sowie östlich des Ebnisees, darüber hinaus in der Nähe von Welzheim – mit zwei konservierten Kastellen. Rekonstruierte Nachbauten von Wachtürmen können Sie in der Nähe von Mainhardt-Gailsbach, Großerlach-Grab und Lorch besuchen.

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