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18. Mai 2015

Romantisches Beuren: Entdecker-Urlaub auf der Sonnenseite der Schwäbischen Alb.

Wie haben die Menschen früher auf dem Land gelebt? Wie haben sie gewohnt und gearbeitet? Wie muss man sich ihren Alltag vorstellen? Antworten auf diese Fragen gibt das Freilichtmuseum des Heilkurorts Beuren nahe Nürtingen und Kirchheim/Teck im Biosphärenreservat Schwäbische Alb. Die Tour durch das begehbare Alte Dorf – sie ist eine Zeitreise durch vier Jahrhunderte. Schritt für Schritt erfährt der Besucher nicht nur jede Menge über dörfliche Lebenswelten von einst, er kann seinen Aufenthalt auch bei bester schwäbischer Küche oder einem Besuch in einem Tante-Emma-Laden mit vertrauten Waren aus Kindertagen ausklingen lassen. Bleiben Sie doch gleich ein paar Tage hier!

Der Fußweg in die bäuerliche Vergangenheit beginnt am Parkplatz „In den Herbstwiesen“. Leicht abschüssig schlängelt sich der Pfad auf eine Talsenke zu, in der schutzsuchend eine Handvoll größerer und kleinerer Fachwerkhäuser zusammenkauern. Ein wenig Geschichtsromantik liegt über dem Ensemble aus Gebäuden, Gärten, Äckern und Baumwiesen. Überall entdeckt das Auge liebenswerte Details, alles wirkt, als hätten die Bewohner ihr Zuhause, das sie eben noch sauber geschrubbt und ordentlich aufgeräumt haben, gerade erst verlassen.

Einfache Holzbänke, manche aus ganzen Baumstämmen gezimmert, laden zum Verweilen ein. Während der Puls auf Ruhemodus herunterfährt, darf man die Schönheit der alten Kulturlandschaft in aller Seelenruhe auf sich wirken lassen. Wer sich darauf einlässt, den belohnt „das Alte Dorf“ mit überraschenden Einblicken. Ob im Webkeller (gleich unter dem Wohnraum) oder in der winzigen Webstuhlhütte (die Platz für gerade mal einen Webstuhl bot), ob im Backhaus oder Fotoatelier, im Schafstall oder Bienenhaus: Überall gibt es Erstaunliches zu entdecken, hinter den alten Mauern des erst jüngst wiederaufgebauten „Bauernschlosses“ aus dem Jahre 1799 (das ursprünglich in Gäufelden-Öschelbronn stand) wie auch irgendwo am Wegesrand. So gibt es zum Beispiel die Esparsette zu sehen, eine eiweißreiche Futterpflanze, deren Anbau früher weit verbreitet war, bis Klee und Luzerne sie verdrängten. Oder die Goldparmäne, eine sehr alte Apfelsorte, die um das Jahr 1200 in England aufgekommen sein soll und die auch in Deutschland seit 1800 als Spitzensorte galt, bis sie ihrer Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge wegen fast völlig aus dem modernen Erwerbsbau verschwand.

Zu besichtigen gibt es in Beuren darüber hinaus eine Weinbergschnecken-Mast. Kurios: Die Älbler, also die Bewohner der Schwäbischen Alb, betrieben eine regelrechte Schneckenzucht, mit der sie die Nachfrage aus katholischen Gegenden deckten. Dort waren die Weichtiere besonders zur Fastenzeit sehr beliebt, weil sie von der Kirche weder als Fleisch noch als Fisch angesehen wurden. Ebenfalls zum Schmunzeln: eine original Schaf-Badestelle aus dem Jahre 1937. Diese Einzelanfertigung eines Dorfschmieds, die bis 1960 in Betrieb war, diente nicht etwa dazu, die Wolle zu reinigen, sondern die Schafe von Parasiten zu befreien – vor allem nach der Schur, wenn die Tiere ihren natürlichen Schutz eingebüßt hatten.

Wenige Schritte weiter ist ein funktionsfähiger Kalkofen zu besichtigen, der nach historischem Vorbild rekonstruiert wurde. Bis kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts waren viele solcher Öfen auf der Alb in Gebrauch. Der Kalk, den man hier gewann, kam Maurern und Gipsern ebenso zugute wie Malern, Tüchern und den Bauern. Sie verwandten den gebrannten Kalk u. a. zur Desinfizierung ihrer Ställe.

Mehr als nur schön anzusehen ist die Museumsgastronomie des Freilichtmuseums. Unbedingt probieren sollten Sie die selbstgeamchten Maultaschen im Landhaus Engelberg. Gourmetkoch Emre Demiryüleyen sammelte schon als Küchenchef in Traben-Trabach höchste Lorbeeren, wo er seinem Restaurant Cavallerie 14 Gault Millau-Punkte erkochte. „Pflichtstation“ bei Ihrem Besuch in Beuren sollte außerdem ein Abstecher im „Museumslädle“ sein, das hier „Tante-Helene-Laden“ heißt. Das Sortiment hinter der original Ladentheke umfasst alles, was das Herz begehrt, und reicht von regionalen Spezialitäten über Spielsachen von anno dazumal bis zu Küchenutensilien aus Keramik oder Email. Geöffnet hat der Nostalgieladen täglich außer montags, dann hat übrigens auch das Restaurant Ruhetag. Merken Sie sich für das Freilichtmuseum doch schon mal zwei mögliche Besuchstermine vor: Sonntag, den 21. Juni, mit dem 20. Museumsfest, sowie das Wochenende des 10. und 11. Oktober mit dem 20. „Moschtfescht“.

Die kleine Gemeinde Beuren mit ihrer Panoramatherme auf der Sonnenseite des Albtraufs – überragt von einer der größten Festungsanlagen Süddeutschlands, der Burgruine Hohenneuffen – ist weit mehr als ein lohnendes Ausflugsziel. Gönnen Sie sich doch mal einen verlängerten Kurzurlaub für zwei, zum Beispiel in der Ferienwohnung Zeh, die in idyllischer Ortsrandlage einen traumhaften Blick auf die Streuobstwiesen und den Albrand mit der Burg Hohenneuffen bietet.

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