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18. März 2014

3 Päpste und der Feuertod: Konstanz feiert 600 Jahre Konzil.

1414. Das Machtgefüge im Heiligen Römischen Reich gerät in Schieflage. In der noch nicht einmal halbwegs kartographierten Welt gibt es nur einen Ordnungsfaktor: die Katholische Kirche. Doch die schwächt sich gerade selbst: Gleich drei Päpste, untereinander tief zerstritten, beanspruchen den Stuhl Petri. Droht der Christenheit die Spaltung? Um das Schisma abzuwenden, kommen die Parteien in Konstanz zum bis dato größten Konzil zusammen. – 2014 jährt sich das Ereignis nun zum 600. Mal. Unser Kultur- und Reisetipp für Ihren Urlaub ab Ende April.

Das Konstanzer Konzil, das vier Jahre lang bis 1418 andauerte, war das Top-Event des Mittelalters. Niemals zuvor hatte ein ähnliches Ereignis so lange Zeit in Anspruch genommen, nie vorher gab so viele Teilnehmer. Könige, Päpste, Patriarchen, Kardinäle, Bischöfe, Äbte: Das gesamte Who is Who des Klerus und der weltlichen Herrschaft fanden den Weg an den Bodensee. Aus gutem Grund: Würde es nicht gelingen, die Einheit der christlichen Welt wiederherzustellen, war das gesamte Abendland in Gefahr. Denn die Osmanen standen bereits „ante portas“.

König Sigismund von Luxemburg, als Sohn Karls IV. mehrsprachig aufgewachsen und von großem diplomatischer Geschick, nahm die Sache selbst in die Hand. Sein Wille war, das Gespenst der drohenden Kirchenspaltung ein für allemal zu bannen und die rivalisierenden Päpste – Gregor XII., Benedikt XIII. und Johannes XXIII. – in die Schranken zu weisen. Sie alle sollten abgesetzt und ein neuer Papst gewählt werden. Denn mit diesem, von ihm favorisierten Kandidaten hatte Sigismund auch eigene Ziele im Sinn. So sollte ihm das alleinige Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zur Kaiserkrönung verhelfen.

Aus Überlieferungen wie der reich illustrierten Chronik des Konstanzer Bürgers und Zeitzeugen Ulrich Richental wissen wir nicht nur, dass Sigismunds Plan aufging. Auch über die Magnetwirkung des Konzils auf den Rest der damaligen Welt gibt der Chronist rege Auskunft. So ist nachzulesen, dass über 70.000 Gäste während der vier Konziljahre in der Stadt Quartier nahmen: Von Lissabon bis Konstantinopel, von Uppsala bis Äthiopien strömte das Kirchenvolk herbei. Ein buntes Völkergemisch, das auch jede Menge edler Geschenke und sakraler Schätze mit im Gepäck hatte. So zeichnet Ulrichs Bericht das Bild eines Spektakels, wie es die Welt bis dahin nicht gesehen hatte.

Daneben erzählt die Dokumentation aber auch von einem Vorfall, das die große globale Zusammenkunft überschattete – mit Auswirkungen bis in unsere Zeit. Er handelt von dem böhmischen Reformator Jan Hus. Da er vor dem Tribunal zu Konstanz seine Lehre nicht widerrufen will, stirbt er im Juli 1415 den Feuertod auf dem Scheiterhaufen. Ein tiefdunkles Kapitel in der Konzilgeschichte, doch letztlich auch die Geburtsstunde der Gewissensfreiheit.

Ohne das Konzil von Konstanz wäre Europas Geschichte sicherlich anders verlaufen. Schon darum ist ein Besuch der Großen Landesausstellung im Jubiläumsjahr sehr zu empfehlen. Am 27. April öffnet sie ihre Pforten. Schauplatz ist das Konzilgebäude in der Hafenstraße, weitere Ausstellungen wie die Schau „Konstanz um 1414 – Städtischer Alltag zur Zeit des Konzils“ im Rosgartenmuseum verleihen dem großen Rückblick zusätzliche Facetten. Dabei zeugen Leihgaben aus rund 20 Ländern davon, dass die Stadt damals zu einem internationalen Hotspot wurde. So werden bis 21. September in Konstanz etliche Spitzenwerke der abendländischen Kunst- und Kulturgeschichte aus der Epoche rund um 1400 zu sehen sein.

Übrigens: Wenn Sie sich für einen Aufenthalt im Steigenberger Inselhotel entscheiden, sind Sie dem Konzil sogar noch ein bisschen näher. Denn das einstige Dominikanerkloster nildet als Originalschauplatz die ideal Kulisse, um sich in die Geschehnisse von damals einzufinden. So befand sich gleich neben dem Speisesaal der Dominikaner jener Keller des Rundturms, in dem Jan Hus vom Beginn des Konzils an bis in den März des Folgejahres eingekerkert war. Währenddessen logierte – nur wenige Schritte weiter im Kapitelhaus – die französische Abordnung. Und selbst eine Grabstätte ist im Hotel zu finden: Es fasst die Reste eines byzantinischen Diplomaten, der während des Konzils verstarb.

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