Reisetipps für Bayern, Schwaben, Tirol, das Trentino und die Adria

14. November 2013

Wo gibt’s denn so was! Weihnachten im Steinbruch.

Woran denken Sie beim Wort Granit? Vielleicht ja den alten Merkspruch, mit dem man sich zu Schulzeiten die Zusammensetzung von Granit einprägen sollte. Erinnern Sie sich? „Feldspat, Quarz und Glimmer – die drei vergess‘ ich nimmer“. Vielleicht kommt Ihnen aber auch nur die sprichwörtliche Redensart, „auf Granit zu beissen“, in den Sinn. Dann könnte Sie ein Trip nach Hauzenberg im nördlichen Passauer Land auf ganz neue Ideen bringen. Im dortigen Granitmuseum der „SteinWelten“ wird das harte und doch gut schleifbare Gestein nicht nur detailliert vorgestellt. Im aufgelassenen Steinbruch nebenan bildet Granit die ungewöhnliche Kulisse für die „Granitweihnacht“ und ihren Christkindlsmarkt.

Auftakt ist in diesem Jahr am 28. November. Ab dann wird die Steinerne Weihnacht an allen Adventswochenenden – jeweils von Donnerstag bis Sonntag – zwischen 14 und 20 Uhr geöffnet sein. Hier der monumentale Stein, dort der Lichterglanz der Buden: Sehr groß ist sie nicht, die Granitweihnacht. Umso größer ihr Reiz.

Romantisch, grandios, extravagant: Besucher, die erstmals über den Hauzenberger Christkindlmarkt schlendern, greifen gern zu Superlativen. Dabei ist hier garantiert alles Natur. Denn das „kalte Blut der Erde“, wie der Granit auch bezeichnet wird, entstammt dem Erdinneren und entstand, als glutflüssige Magma beim Erkalten kristallisierte. In unvorstellbaren Zeiträumen haben sich diese Prozesse abgespielt. Ein sehr sehenswerter Film, der im Kino des Granitmuseums läuft, vermittelt eine Ahnung von dem, was Erdgeschichte im Bayerischen Wald geschaffen hat – und was sie noch mit dieser Landschaft vorhat. Oder wussten Sie schon, dass sich das Waldgebirge in ferner Zukunft auffalten wird und dadurch größere Höhen erreichen wird als die Alpen?

Aber bis dahin ist noch etwas Zeit – und so kann mich sich ganz entspannt dem reizvollen Angebot des granitenen Weihnachtsmarktes zuwenden. Dort ist neben den „üblichen Verdächtigen“ jeder Adventskirmes – Glühwein, Punsch, Maroni & Co., bereichert um Spezialitäten der regionalen Weihnacht wie Glutzelten oder Pichelsteiner – auch traditionelles Handwerk im Angebot. So kann man beim Schnitzen, Drechseln, Spinnen und Töpfern zuschauen oder dem Korbflechter über die Schulter „linsen“. Wussten Sie schon, wie früher Rechen hergestellt oder Glas geschliffen wurde? Natürlich gestattet auch ein Steinmetz Einblick in seine Arbeit.

Hatten wir schon erwähnt, dass sich die Granitweihnacht auch auf die Ausstellungshallen des Granitzentrums erstreckt? Eigentlich müßig, denn die Gesamtanlage lädt ja förmlich dazu ein, erst die „lebende Krippe“ mit Esel, Ziege & Kalb zu bestaunen, um sich dann „indoor“ ein wenig aufzuwärmen und von hier den Blick über das stimmungsvoll beleuchtete Areal schweifen zu lassen. Wer ein weihnachtliches Mitbringsel erstehen möchte, hat die Auswahl: Offeriert wird Handwerk aus Bayern, Böhmen und Österreich. Übrigens: Sollten die Temperaturen doch ganz tief in den Keller rutschen, wird auch die Steinhauerkantine öffnen. Und die ist garantiert gut beheizt.

Abschließend noch ein Tipp für die delikate Einkehr: Der Gidibauer-Hof (Adresse: Gruz 7) ist nur wenige hundert Meter vom Granitzentrum entfernt. Wer sich – als Krönung eines ganz besonderen Weihnachtsausfluges – auch kulinarisch Gutes gönnen will, wird sich in dem von Familie Ertl geführten Restaurant wie Gott in Frankreich fühlen. Kein Zufall, schließlich führt „Der Feinschmecker“ das Haus unter den „300 besten Landgasthäusern Deutschlands“. Geöffnet ist täglich außer montags.

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