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5. März 2013

Rohrbach im Mühlviertel: Bonanza und die etwas andere Wahrnehmung.

Was in aller Welt hat der der kleine Ort Rohrbach im westlichsten Oberösterreich mit den legendären Serienhelden der Familie Cartwright zu tun? Nichts, mit Verlaub. Dafür aber so einiges mit Bonanza. Klingt irritierend? Ja, und als wäre das nicht schon verwirrend genug, gibt es in der kleinen Gemeinde zu alledem auch noch ein Museum, das der Sinnestäuschung gewidmet ist. Unser Tipp: Fahren Sie hin und erwerben Sie eine Eintrittskarte, die sich verspeisen lässt. Erstaunliches Rohrbach!

56 Kilometer sind es von Freyung nach Rohrbach. Die kleine Stadtgemeinde, Verwaltungssitz des gleichnamigen nördlichsten Bezirks in Oberösterreich, liegt gerade mal 21 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, ganze zehn Kilometer sind es nach Tschechien. Einige Bäche durchfließen die Gemeinde und speisen Fischteiche, die hier von alters her bewirtschaftet werden. Wäre damit über Rohrbach nicht schon alles gesagt? Nicht ganz. Denn der Ort unterhält beste Beziehungen nach Bonanza. Wer dabei an die Ponderosa Ranch denkt, geht allerdings falschen Assoziationen auf den Leim.

Bonanza ist ein 15.000-Einwohner-Städtchen im Norden Nicaraguas.  Vor allem unter Glücksrittern ist die Mestizen-Gemeinde ein Begriff. Denn neben Bananen ist es vor allem das Gold, das Schürfer aus aller Welt anlockt. Nicht anders als an anderen Orten in der Welt, wo Golddigger auf der Suche nach Nuggets ihr Sieb kreisen ließen, entstanden im Zuge des Goldrausches Siedlungen aus Elendsbehausungen – Holzhäuschen mit Dächern aus Wellblech. In diesem Bonanza sucht man Ben, Hoss, Adam und Little Joe jedenfalls vergebens.

Was also ist es, was ausgerechnet die Österreicher aus dem Mühlviertel für Bonanza einnimmt? Bonanza mag zwar Bodenschätze haben, große Zukunftschancen liegen hier aber nicht herum. So  fördern die Europäer die Ausbildung der Kinder von Bonanza – aus das vor Ort, indem man die Entlohnung von drei Lehrern übernommen hat. Damit stemmt das kleine Rohrbach einen wichtigen Teil der Zukunftsinvestition Bildung für eine Partnergemeinde, die nach Einwohnerzahl fast fünfmal größer ist als man selbst.

Wundert es da noch, dass im kleinen Rohrbach viel Sinn für die etwas andere Wahrnehmung der Wirklichkeit hat? Seit einigen Jahren gönnt sich der Ort ein modernes Freibad („AquaRo“), 2004 eröffnete das Kultur- und Eventzentrum namens „Centro“. Doch wen es zu wahrhaft neuen Erkenntnissen drängt, der steuert seit zehn Jahren das Museum „Sinnenreich“ an, das in der ehemaligen Poeschl-Villa untergebracht ist.

Eine anspruchsvoll inszenierte Sammlung von Sinnestäuschungen und anderen Phänomenen der Wahrnehmung im Groß- und Miniatur-Maßstab – das erwartet den Besucher in der Rohrbacher Bahnhofstraße. Mehr als 40 Exponate machen anschaulich, wie unsere Sinnesorgane im Einzelfall hinters Licht geführt werden – und zwar unabhängig davon, ob Auge, Nase, Ohr, Haut oder Mund im Spiel ist.

Besonders unterhaltsame Stationen zum Thema „Sinnestäuschung“ sind „Barragan’s Haus“ und der „Staboskop-Brunnen“. Bei ersterem erlebt man, wie sich der eigene Körper schrumpft und wieder vergrößert – je nachdem, an welcher Stelle im Haus man sich aufhält. Beim Brunnen dagegen scheinen die Gesetze der Schwerkraft aufgehoben.

Noch ein Tipp für die wärmere Jahreszeit: Direkt an die Villa schließt sich ein Rundwanderweg an. Rund sechs Kilometer lang führt er durch das malerische Mühlviertel. Dabei kommt man in einer gemütlichen zweistündigen Wanderung an einem Biotop, am Lanzerstorfer Holz sowie zwei Mühlen vorbei. Wer mag, kann an 18 Stationen zudem seine Sinne schärfen. So zum Beispiel am Summstein. Das Prinzip: Kopf in den das Loch des Steins stecken – und summen. Eine verblüffende akustische Erfahrung. Ebenfalls unbedingt empfehlenswert: der Barfußweg, der wieder Leben in die müden Füße bringt.

Ob jemals ein Besucher aus Bonanza den Weg ins Museum „Sinnenreich“ gefunden hat, ist dem Autor dieser Zeilen nicht bekannt. Sicher ist: Das Museum „Sinnenreich“ hat das ganze Jahr über geöffnet – und zwar von Dienstag bis Samstag, ab 10 bis 16 Uhr, an Sonn- und Feiertagen zwischen 13 und 18 Uhr. Der Eintritt kostet 6,50 Euro, Kinder bezahlen 4 Euro.

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