Reisetipps für den Urlaub oder ein paar freie Tage zu zweit in Bayern

3. April 2012

Neugierig auf komische Pfingstvögel, die unbedingt nass werden wollen?

„Wasservogelsingen“ – was das wohl sein mag? Möglicherweise werden Sie hinter dem Begriff ja eine Eigenart der heimischen Fauna vermuten: Komische Vögel, die im Hochgefühl des Frühlings frohe Gesänge anstimmen. Ja? Ganz falsch. Oder ja eigentlich doch wieder nicht: Tatsächlich fällt dieses nasse Vergnügen nämlich in die Rubrik „gepflegter Schabernack“ und ist dem (manchmal etwas wunderlichen) Brauchtum im südlichen Bayerischen Wald zuzuordnen. Zu Pfingsten könnten Ihnen die komischen Vögel auch in Freyung begegnen …

Hauptakteure des im heutigen Landkreis Freyung-Grafenau seit über 150 Jahren belegten Pfingst-Brauches sind die üblichen Verdächtigen: Dorfburschen, die mit Begeisterung für „Nachtruhestörungen ärgster Art“ sorgen, wie es noch in einem Beschwerdebrief an das Bezirksamt Wolfstein vom Mai 1899 heißt. Ziemlich harmlos kommt einem das heute vor. Damals aber rief das regelmäßig die Ortspolizei auf den Plan.

Wenn Sie sich zu Pfingsten in Freyung aufhalten, können Sie selbst Zeuge des früher so berüchtigten Wasservogelsingens werden. Ab Nachmittag des Pfingstsonntags dringt vom nahen Ringelai verräterisches Getöse bis auf den Geyersberg. Dann – vor allem aber in der Nacht von Pfingstsonntag auf -montag – ziehen Jugendliche in wasserfester Kleidung von Haus zu Haus – und singen das Wasservogellied. Der Vorderste, der einen Korb bei sich trägt, kräht wie ein Gockel. Ein Vorsänger gibt feste Strophen zum Besten. Ihm folgt ein zweiter Sänger („Moier“ oder „Oakoda“ genannt), der das Ganze mit Versen ausschmückt, die ganz individuell auf das jeweilige Haus gemünzt sind. Die Verse wechseln jeweils mit der Eröffnungsstrophe. Der Oakoda ist es auch, der die Hausbewohner um Eier oder Geld bittet.

Besonders unterhaltsam ist das Wasservogelsingen, weil die Hausbewohner herzlich eingeladen sind, nicht gleich klein beizugeben, sondern die Besucher mit Wasser zu begießen. Das geht freilich nicht ohne Lärm und Gelächter ab – zumal die Wasservögel alles daran setzen, ihren „Gastgebern“ Gartenschläuche oder Eimer zu entwinden.
Am Ende wird aus den gespendeten Eiern in der Wirtschaft ein Mahl zubereitet und das Geld in Bier umgewandelt.

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