Reisetipps für Bayern, Schwaben, Tirol, das Trentino und die Adria

2. Januar 2015

Ihr nächstes Sommerziel: Südböhmen!

Im täglichen Sprachgebrauch steht ein „böhmisches Dorf“ gleichbedeutend für etwas, wovon man keine Ahnung hat – im Fall von Holašovice, einem kleinen Ort im südlichen Böhmen, wäre dieser Wortsinn freilich jammerschade. Denn Hollschowitz, so der deutsche Ortsname, ist ein begehbares Stück Vergangenheit, eine einmalige Sammlung der Volksarchitektur im Stil dss „Bauernbarock“ – und für die UNESCO seit 1998 sogar ein besonders schützenswertes Stück Kultur. Planen Sie für Juli 2015 – statt Mallorca & Co. – doch einfach mal ein paar Tage Südböhmen ein. Es könnte ein Urlaub voller Entdeckungen werden.

Exakt 779 Kulturdenkmäler zählt das aktuelle Welterbe-Verzeichnis der UNESCO. Ein Dutzend davon – doppelt so viele wie im Länderdurchschnitt – befinden sich auf dem Gebiet der Tschechischen Republik. Holašovice, ein Ortsteil von Jankov, 30 Autominuten von der Grenze zu Bayern entfernt, ist eines dieser Schmuckkästchen. Die Häuser seines Dorfplatzes mit großem Anger sind Juwele des bäuerlichen Barockstils: ausladende, gefällig verzierte Giebelbauten, die Pest und Weltkriege überstanden haben und auch zu Zeiten der Tschechoslowakei weitgehend unangetastet blieben.

Die liebevoll restaurierte Dorfzeile, vorwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert, steht heute vollständig unter Denkmalschutz. Im Informationszentrum, das in der einstigen Dorfschule untergebracht ist, erfährt man, wie die Häuser im Grundriss aufgebaut waren. Jedes Gebäude betrat man über den Flur, der das Anwesen in einen Wohn- und einen Wirtschaftstrakt aufteilte. Üblicherweise gab es auch eine „Auszugsstube“ – heute würde man von einer Einliegerwohnung sprechen. Sie war das Zuhause der Eltern des Landwirts. Stall, Tenne, Scheune oder Speicher lagen gleich nebenan. Die Gebäude selbst erreichte man über einen von Vorgarten und Brunnen bestandenen Hof, in den man vom Dorfplatz durch ein Tor gelangte. Den historischen Dorfanger von Hollschowitz ziert ein kleines Kirchlein aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Wenn Sie Ihren Trip nach Böhmen in die zweite Julihälfte legen, erleben Sie die historische Ortskulisse von ihrer allerschönsten Seite: Immer am vorletzten Wochenende des Monats gibt es in Holašovice ein Bauernfest mit altböhmischem Jahrmarkt und etlichen Veranstaltungen. Geboten wird reichlich Kunsthandwerk: So kann man sich an weit über 200 Ständen einen Eindruck davon machen, weshalb Handwerker, Schmiede und Küstler aus Böhmen und Mähren seit jeher besonderes Ansehen genossen.

Planen Sie für Hollschowitz doch drei, vier Tage ein; dann können Sie zum Beispiel auch die idyllische Umgebung erkunden. Am besten tut man das zu Fuß; denn durch das Dorf und weiter durch die verträumte Landschft zwischen den Flüssen Lužnice (Lainsitz) und Otava (Wottawa) führen markierte Wanderwege, auf denen man ganz gemütlich dahinschlendern und die Zeit vergessen kann. In knapp drei Stunden wandern Sie zur Burgruine Dívčí kámen. Die Adelsburg Maidstein entstand Mitte des 14. Jahrhunderts und thront auf einem Fels über der Einmündung des Křemžský potok in die Moldau. Von der Burg, die schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts aufgegeben wurde und heute Teil eines Naturreservats ist, bietet sich ein weiter Blick über das Moldautal.

Weitere Ausflugsziele, die Sie natürlich auch mit dem Auto erreichen können, sind der 1.083 Meter hohe Berg Klet‘ (mit dem ältesten steinernen Aussichtsturm in Böhmen) und das Kloster Zlatá Koruna (Goldenkron) mit seinem eindrucksvollen Kreuzgang im Stil des Rokoko. Die fast mystische Stimmung, die von der Anlage und der sie umschließenden gleichnamigen Gemeinde ausgeht, bietet einen Vorgeschmack auf das eigentliche Ziel Ihrer Reise: Český Krumlov. Das auf deutsch als Böhmisch Krumau bezeichnete Renaissance-Städtchen, das ebenfalls fester Bestandteil der UNESCO-Kulturdenkmalliste ist, wird Sie auf Anhieb faszinieren. Hufeisenförmig ist ihre Altstadt von der Moldau umschlossen: Dank dieser besonderen Lage und seiner außergewöhnlichen Architektur entfaltet Krumau mit seinen vielen Gässchen, Brücken, Plätzen, Boutiquen und Cafés auf Besucher eine ganz besondere Magie. Ob Burganlage (die zweitgrößte Tschechiens nach Prag) oder weltweit einzigartiges Barocktheater, ob Opern im Schlossgarten oder traumhafte Panoramen über die abends illuminierte Stadt, ob Aufsehen erregende Ausstellungen in der Egon-Schiele-Galerie, im Fotoatelier Seidel oder erotisch-freizügige Fotosessions mitten in der Stadt: Von Český Krumlov und seiner höchst lebendigen mittelalterlichen Kulisse kann man kaum den Blick abwenden. Und mit seiner typisch böhmischen Küche ist es bei seinen Gästen aus aller Welt sowieso ein Hit. Unser Übernachtungstipp: das Pension Hotel Belarie. Die 3-Sterne-Herberge zählt zwar nur fünf Zimmer, überzeugt dafür aber durch seine besonders günstige Lage im Zentrum der Altstadt; auch für eine nahe Parkgelegenheit ist gesorgt.

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