Reisetipps für Bayern, Schwaben, Tirol, das Trentino und die Adria

2. Oktober 2011

Eine Trauminsel: die „Landpartie“.

Sicking? Das klingt nicht eben nach großer weiter Welt – und für englischsprachige Besucher wohl auch ein wenig malad. Aber Namen sind Schall und Rauch. So mag der Weiler bei Schaufling (Lkr. Deggendorf) ein wenig verwunschen sein, aber kerngesund und eine Welt für sich ist er auch. Und zwar eine, die es versteht, das Gemüt des Besuchers aufs Angenehmste aufzuhellen. Denn hier in Sicking erwartet Sie die „Landpartie“, ein Ort, für den das Adjektiv „überraschend“ glatt untertrieben wäre.

Zunächst einmal aber will die „Landpartie“ gefunden sein. Das allein schon ist ein kleines Abenteuer; doch wer in gutem Glauben der trotzigen Ausschilderung folgt, wird letztlich auch belohnt. Landpartien kennen keine Eile. Und diese Landstraße – Gott sei Dank – auch keine Abzweigung mehr.

Die „Landpartie“ – das sind die ehemaligen Stallungen eines Anwesens, das den Namen „Obermeierhof“ trug. Die heutige Besitzerin Barbara König hat nachgeforscht: Die Bezeichnung „Obermeierhof“, so fand sie heraus, wies das Anwesen als Sitz eines höherstehenden Verwalters des Klosters Niederalteich aus, zu dem Sicking bis zur Säkularisation 1803 gehörte.

Das architektonische Erbe ist eine Trouvaille: Der spätbarocke Bau mit seinem wunderbar erhaltenen böhmischen Gewölbe, entstanden zwischen 1750 und 1785, wäre an sich schon die ganze Anreise wert. Doch weil der Stall von einst heute Laden für Wohnkultur, Café, Biergarten, Event-Location und zu alledem auch noch der schönste Treffpunkt weit und breit ist, weiß man gar nicht so recht, was man zuerst bestaunen soll: die eindrucksvolle Gewölbe-Architektur aus Habsburger-Zeiten oder doch das liebevoll arrangierte Angebot aus schmuckem Zierrat zur Verschönerung von Heim und Garten?

Die „Landpartie“ bereichert den Besucher aber nicht nur durch viele zauberhafte – kleine und größere – Einrichtungstipps; sie kultiviert den Anspruch „Kulturcafé“ selbst an Ort und Stelle, im Inneren wie im Außenbereich. So nimmt man – umgeben von ausgesuchten Accessoires, die sich erwerben lassen – gerne auch im Elfengarten Platz. Ein kleiner Teich beschreibt die Mitte; darum gruppieren sich romantische Sitzinseln. Lacht noch die Sonne dazu, will man eigentlich nirgendwo anders mehr sein.

Bis in den Herbst hinein ist die „Landpartie“ ein Blumen- und Blütenparadies. Eines, in dem man sich ganz prima selbst belohnen kann. Zum Beispiel mit leckeren respektive duftenden Saisonangeboten – vom Fruchtaufstrich bis zur handgeschöpften Seife. Die von der Hausherrin selbst zubereiteten Kuchen verputzt man am besten gleich an Ort und Stelle, der Bio-Kaffee aus der Hengersberger kaffeemanufaktur hein-richs ist einfach ein Muss.

Geöffnet hat die „Landpartie Sicking“ von Donnerstag bis Samstag
ab 14 Uhr (zwischen Oktober und März bis 18, das restliche Jahr bis 19 Uhr). Und ansonsten nach telefonischer Absprache. Info: 09901-902 986. Oder: landpartie-koenig@t-online.de

Übrigens: Am Sonntag, 6. November, veranstaltet die „Landpartie“ eine „Mythologische Wanderung“ mit Heimatforscher Jakob Wünsch durch die Saulochschlucht zum Gnadenbild nach Greising. Diese Tour verspricht höchstinteressante Einblicke in die Kulturgeschichte des bayerisch-böhmischen Raumes.

Dieser Artikel wurde 2.435 mal angesehen.
älterer Artikel neuerer Artikel