Reisetipps für Bayern, Schwaben, Tirol, das Trentino und die Adria

15. Oktober 2014

Ludschter: Die Franken, die bayerische Thüringer sind.

Lautstark von sich reden machen – so etwas liegt dem Frankenwälder eher nicht. Sollte ihm aber eigentlich. Schließlich zählt der Naturpark Frankenwald in Bayerns Regierungsbezirk Oberfranken zu den funkelndsten Touristik-Perlen Deutschlands. Beinahe märchenhaft wirkt das Wäldermeer jetzt im Herbst, wenn das golden verfärbte Laub zu ausgedehnten Wanderungen einlädt. Wer dem besonderen Charme aus Natur und Romantik gern erliegt – hier darf er schwach werden. Starke Anlässe gibt es genug: Drei hat TraumPanorama für Sie zusammengestellt.

Erstens: „Viel Lärm um nichts“ – dieser Komödien-Klassiker steht auf dem Programm der 2. Skakespeare-Spiele in Ludwigsstadt, die noch bis kommenden Sonntag, 19. Oktober, aufgeführt werden. Dreieinhalbtausend Besucher zählte das Festival in seiner Premierensaison vergangenes Jahr – eine stattliche Menge angesichts der dünnen Einwohnerzahl von gerade mal 2.000 Seelen, die Ludwigsstadt zu einer der kleinsten Städte in Deutschland machen. Das freilich ficht die Ludschter, wie sich die Bewohner in ihrem ganz eigenen Dialekt nennen, nicht an. Der nämlich macht sie ohnehin zu einer ganz besonderen Gattung.

Ludschterisch ist – genau genommen – ein südthüringischer Dialekt. Kurios genug, denn Ludwigsstadt liegt ja eigentlich in Franken, also in Bayern. Doch weil die Ludwigsstädter damit im Grunde weder Bayern, Franken noch Thüringer sind, versuchen sie aus ihrer Insellage das Beste zu machen. Und das hieß für sie; Sie holten sich Verstärkung bei einem der Größten der Weltliteratur – William Shakespeare. So rief man dicht an der Grenze zu Thüringen Bayerns kleinstes Theaterfestival ins Leben, das ganz nebenher einen Beitrag zur Erhaltung des Ludschter Dialektes leisten will. Die Idee: Shakespeares Werke werden einfach in mundartlicher Übersetzung auf die Bühne gebracht. Das wahrscheinlich kleinste Theaterfestival der Welt in einer der kleinsten Städte rund um den Globus hat sich damit ziemlich Großes vorgenommen. Aber, so scheint es, das Konzept geht auf. Und dafür legt sich der Intendant der Faust-Festspiele Kronach, Daniel Leistner, ganz persönlich ins Zeug.

Vorschlag 2: Klöppeln im Nordhalben. Im kleinen Erholungsort am Übergang zum Thüringer Wald ist Deutschlands einzige Klöppelschule beheimatet, die noch von einer Gemeinde betrieben wird. Seit 1903 wird hier nach alter Tradition erzeugt, was buchstäblich Spitze ist. Eine Rarität, sodass Fans der alten Handwerkskunst inzwischen nach Oberfranken pilgern, um hier das Spitzenklöppeln zu erlernen oder an Ausstellungen teilzunehmen. Alle zwei Jahre gibt es die Nordhalbener Klöppeltage, das nächste Mal ist es 2015 wieder so weit. Die nächsten Klöppelkurse „für Anfänger und Fortgeschrittene“ finden dafür noch in diesem Jahr statt, vom 18. bis 21. November.

Drittens: Kronach. Die Geburtsstadt von Lukus Cranach dem Älteren, dem deutschen Maler und Grafiker der Renaissance, hat ihre ganz große Zeit deutlich hinter sich, touristisch betrachtet aber durchaus ein Riesenpotenzial vor sich. Denn ähnlich wie das vielgerühmte Passau ist auch das 17.000-Einwohner-Städtchen mit seinem verträumten Stadtbild – gemalt aus Fachwerk- und Sandsteinhäuschen, Toren, Türmen und Brunnen – eine Dreiflüssestadt. Zudem punktet sie mit einer der besterhaltenen Festungsanlagen in ganz Deutschland: der Festung Rosenberg, vor der sich die Kronacher Altstadt in einem eindrucksvollen Panorama ausbreitet.

Ein echter Tipp für kreativ Ambitionierte ist die Kronacher Sandsteinwerkstatt, die 2015 ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Zu diesem kleinen Jubiläum hat der akademische Bildhauer Heinrich Schreiber ein zweiteiliges Kursprogramm angesetzt, das bildhauerisch Interessierten zwischen Ende Juni und Mitte August die Möglichkeit gibt, sich im historischen Ambiente der Cranach-Werkstätten in der Festung Rosenberg künstlerisch zu „probieren“. Warum auch nicht? Kontakt: Tel. 09261 97236.

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