Reisetipps für Bayern, Schwaben, Tirol, das Trentino und die Adria

17. November 2014

Aufgelesen: Drei etwas andere Weihnachts-Events.

Pünktlich zur Adventszeit tauchen Bayerns Innenstädte wieder ein in festlichen Lichterglanz. Mit Budenzauber und allerlei Nippes verbreiten Weihnachtsmärkte jede Menge Glühweinseligkeit – und auch so manchen Wermutstropfen. Denn wohin man auch schaut: Überall scheint sich das Angebot zu gleichen. Aber gibt es sie überhaupt: die interessanten Christkindlmarkt-Alternative? TraumPanorama hat sich im Freistaat umgesehen – und ist fündig geworden. Drei(einhalb) Beispiele für ungewöhnliche Events rund um die (Vor-)Weihnachtgszeit.

Sulzbach-Rosenberg: Die knapp 20.000 Einwohner zählende Kleinstadt eine halbe Autostunde östlich von Nürnberg ist traditionell am 4. Advent Schauplatz eines außergewöhnlichen Weihnachtsmarktes. Dann verwandelt sich der alte Hochofen der Maxhütte – dort, wo bis 2002 Stahl gebrannt wurde – zur vorweihnachtlichen Kulisse. Kreisrund werden die Marktstände auf der sogenannten „Hochofenplaza“ angeordnet, alte Koksöfen bieten sich zum Aufwärmen an und in mittendrin ist eine riesige Feuerschale platziert. Fertig ist der „Weihnachtsmarkt am Hochofen“! Vor allem abends, wenn der Hochofen illuminiert wird, zieht das Industriedenkmal seine Besucher magnetisch an. Tatsächlich scheint dieser Markt etwas Dämonisches zu haben …

Fürstenfeldbruck: Die Dänen und die Norweger feiern es, die Finnlandschweden und die dänischen Südschleswiger – und, deutschlandweit exklusiv, feiert man es auch im oberbayerischen Fürstenfeldbruck: das Fest der Hl. Lucia am 13. Dezember. Seiner ursprünglichen Bedeutung nach war das Fest der „Lichtbringerin“ Lucia gewidmet, die den Armen als Zeichen der Hoffnung ein Kerzenlicht brachte. In Fürstenfeldbruck wurde dieser eigentlich nordische Brauch schon im 18. Jahrhundert übernommen. Damals war die Stadt vom Hochwasser bedroht. Symbolisch bauten die betroffenen Bürger ihre Wohnhäuser en miniature nach und trugen sie in die Kirche. Im Inneren der Modelle wurden Kerzen entzündet – und siehe da: Die Fluten wichen und die Gebäude blieben verschont. Aus Dankbarkeit machten es sich die tiefgläubigen Brucker zur Gewohnheit, jedes Jahr zum 13. Dezember „Lucienhäusl“ zu basteln und sie beleuchtet auf den Fluss Amper zu setzen. Auch dieses Jahr werden die kleinen illuminierten Modelle wieder ab 18 Uhr an der Amper-Brücke auf das Wasser gesetzt. Ganz schön romantisch!

Berchtesgadener Land: Das Aperschnalzen („aper“ = „vom Schnee befreit“) ist eine Jahrhunderte alte Tradition im Rupertigau, ganz im Südosten Bayerns. Schon am 2. Weihnachtsfeiertag geht’s los. Bis zum Faschingsdienstag wird in kleinen Gruppen aus jeweils neun Mann – den sogenannten Passen – durch lautes Peitschenknallen der Winter vertrieben. Das Kommando gibt der Aufdraher vor. Auf seinen Ruf „Aufdraht, oane, zwoa, drei – dahin geht’s“ hin beginnt die Passe zu schnalzen, und zwar möglichst präzise in einem vorgegebenen Takt. Idealerweise erzeugen die Goaßln in genauem Abstand einen gleich starken Laut. Einmal im Jahr, nämlich eine Woche vor dem Faschingssonntag, kommen aktive Schnalzler aus Bayern und Salzburg zusammen, um die Besten ihrer Zunft zu ermitteln. Wer das mit Pech bestrichene Hanfseil am harmonischten knallen lässt, das beurteilt eine Jury, bestehend aus sieben Preisrichtern, die in einem abgetrennten Raum sitzen und die Darbietung der jeweiligen Gruppe nach Notensystem beurteilen. Vormerken: Kommendes Jahr findet das Rupertigau-Preissschnalzen am 8. Februar in Schönram statt. Rund 1.800 Schnalzer werden erwartet.

Sie hätten es gern noch etwas traditioneller? Dann auf nach Ingolstadt! Vom 26. November bis zum 6. Januar lädt Bayerns kleinste Großstadt zum Winterzauber am Paradeplatz ein. Doch einen x-beliebigen Weihnachtsmarkt wie jeden anderen finden Sie auch hier nicht; denn vor der Kulisse des Neuen Schlosses und des Herzogkastens erwartet Sie immerhin einer der ältesten Christkindlmärkte Deutschlands – älter jedenfalls als der in München. Schlendern Sie doch einfach, an der hoffentlich mit Pulverschnee überzuckerten Asamkirche Maria de Victoria vorbei, über den Ingolstädter Krippenweg, um sich anschließend wieder ganz den irdischen Freuden zuzuwenden. Zum Beispiel zum Outlet Shopping im Ingolstadt Village. Oder zum Ringe-Bestaunen ins Audi Forum. Ganz wie Sie möchten …

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