Reisetipps für den Urlaub oder ein paar freie Tage zu zweit in Bayern

29. August 2011

Königsberger Dropse.

Sie wollten schon immer mal wissen, wie ein Städtchen im Dornröschenschlaf aussieht, das so viele Schätze birgt, dass man sich auf Schritt und Tritt verwundert die Augen reibt? Königsberg i. Bay. ist so Ort. Und dass er gelegentlich mit dem berühmten Namensvetter in Ostpreussen verwechselt wird, macht die unterfränkische Museumstadt leider auch nicht lebendiger. Dabei erholt man sich hier ganz phänomenal.

Ja, dieser Flecken ist ein Kleinod. Wo andernorts mit allerlei Stilzitaten mühselig Verhangenheit beschworen wird – hier ist sie buchstäblich frei Haus zu bestaunen: Fachwerk allenthalben. Kaum ein Haus jünger als 300 Jahre. Die von Grund auf sanierte Altstadt steht den großen fränkischen Romantikhorten Dinkelsbühl oder Rothenburg ob der Tauber in nichts nach.

800 Einwohner bevölkern den historischen Kern aus verwinkelten Gassen und mächtigen Bürgerhäusern, die den historischen Salzmarkt umrahmen. Hier stößt der Besucher auf das Geburtshaus des Astronomen und Mathematikers Regiomontanus. Bereits mit zwölf Jahren soll der Sohn aus wohlhabendem Hause ein astronomisches Jahrbuch errechnet haben, wie man es damals für die Erstellung von Horoskopen benötigte. 1448 soll das gewesen sein. Heute gilt Regiomontanus („der Königsberger“) als früher Reformator des Julianischen Kalenders.

Das Regiomontanus-Haus zu Füßen der Stauferburg auf dem Schlossberg ist nicht die einzige Besonderheit des Ortes, der bis zum Ende der deutschen Monarchie 1918 zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha gehörte. Bayerisch wurde Königsberg erst nach einer Volksabstimmung anno 1919. Dazwischen dämmerten wenige Monate Zugehörigkeit zum Freistaat Coburg. Extravaganzen haben hier eine kurze Halbwertszeit.

Nein, „eigene Wege“ im Denkmalschutz sind in Königsberg nicht sehr gefragt. So zieht man die leblose Hülle einer „irgendwie“ instand gesetzten Baustruktur vor. Vor allem aber wird im Städtchen gern kontrovers diskutiert. Zwei Königsberger, drei Meinungen. Was soll aus diesem vergessenen Juwel im Windschatten der Metropolen nur werden?

Vielleicht ja ein kulinarischer Gegenentwurf zum „großen“ Königsberg? Wie wäre es mit „Königsberger Dropsen“, sehr geehrte Damen und Herren von der Tourismusverwaltung?

Finden Sie’s einfach selbst heraus: Zum Beispiel bei einem Wochenende im Hotel am Platz – dem „Goldenen Stern“. Tipp: Am 11. September ist „Italienischer Brunch“. Und anschließend – Sonne vorausgesetzt – am Salzmarkt einen Espresso schlürfen.

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