Reisetipps für den Urlaub oder ein paar freie Tage zu zweit in Bayern

27. August 2011

Logieren, wo Regensburg am schönsten ist: im Orphée.

Regensburg – Römergrundung, Weltkulturerbe, Universitätsstadt – liegt an der Donau. Dass die Hauptstadt der Oberpfalz seit einem guten Jahrzehnt unter Städteentdeckern ganz vorne gelistet ist, liegt indes an ihrer fast vollständig erhaltenen Altstadt. Wer die Atmosphäre aus quirliger Studentenszene und altbayerisch-gemütlicher Gastlichkeit aus nächster Nähe genießen möchte, sollte bei der Wahl des Hotels dringend das Orphée in Betracht ziehen.

Ehemalige Regensburg-Studiosi werden’s noch wissen: Eigentlich war das Orphée in der Unteren Bachgasse über lange Jahre ausschließlich ein Restaurant. Große gerundete Fenster, Wintergartenatmosphäre mit der Eleganz des Fin de Siècle, die Küche leicht französisch inspiriert: Hier kehrte man ein, um mit den Kommilitonen des eigenen Semesters gepflegt zu dinieren. Spätestens seit den 1980ern galt das Orphée als chic: sozusagen als das kulinarische Gegenstück zur Massenabfertigung des universitären Mensabetriebs.

Heute bezeichnet sich das Orphée selbst als „Traditionsrestaurant“; doch dieses Etikett trifft es nur unzureichend. Denn das Orphée ist vor allem ein außergewöhnliches Hotel mit einem athmosphärisch starkem Restaurant. Dem „traditionellen“ Teil, wo noch immer vertraute Accessoires das Bild prägen: rote Samtsessel und Marmortische vorne, Holzvertäfelungen und stimmungsvoll eingedeckte Tische im rückwärtigen Bereich.

Dabei intoniert der gastronomische Teil nur das Präludium auf die Nacht, genauer: auf ein paar Stunden in den Räumen, die über dem Restaurant des barocken Baus thronen. Das Orphée ist eben insbesondere ein Hotel. Und was für eines! Jedes Zimmer der vor sechs Jahren aufwendig sanierten Herberge ist ein Unikat. Alles in allem zählt 34 individuelle Rückzugsgebiete zählt das Orphée. Viele davon mit Stuckdecken, antiken Dielenböden oder barocken Türstöcken. Hinzu kommt die höchst originelle Einrichtung: Jahrhunderte altes Mobiliar, Kronleuchter, Schrankkoffer, Himmelbetten. Man fragt sich: Wo in Deutschland lässt sich heutzutuge noch so stilvoll logieren?

Manche der Zimmer sind 60 Quadratmeter groß und erwecken so den Eindruck eines „home away from home“. Und dann die Lage! Nicht nur, dass man von den Dachzimmern der 4. und 5. Etage viele Altstadthäuser und Gassen überblicken kann – besser noch: Man tritt vor die Hoteltür und ist mitten drin. Mitten im Gewirr der schmalen und „himmelhoch“ bebauten Gässchen, die von einladenden Boutiquen und Cafés gesäumt sind. Der Weg ist das Ziel. Und der Weg ist kurz. Zum Dom oder zur fast 900 Jahre alten Steinernen Brücke – historisches Vorbild für die Brücken des 12. und 13. Jahrhunderts in Dresden, Prag, London und Avignon – schlendert man nur drei Minuten.

Das Hotel Orphée hat viele Freunde. Und das völlig zu Recht. Auch Joschka Fischer outete sich bereits als Fan des Hauses. Doch Namedropping Marke „berühmter Gast“ hat das Orphée offenbar gar nicht nötig, genauso wenig wie überhöhte Preise: Man nächtigt für 100 bis 195 Euro – wobei (schon fast) das Bayreuther Festspiel-Prinzip gilt: Dabei sein ist alles. Nur wer rechtzeitig reserviert, hat Aussicht auf Genuss. Und dafür ist Eile geboten: Das Orphée, so hört man, ist auf Monate hin ausgebucht.

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