Reisetipps für den Urlaub oder ein paar freie Tage zu zweit in Bayern

20. April 2012

Coburg: Blaues Blut & Bossa Nova.

Coburg ist nicht eben groß und dafür auch noch ziemlich „ab vom Schuss“. Zu den Metropolen Nürnberg, Erfurt und Würzburg fährt man ein ganzes Stück. Und wohl gerade deshalb zählt das Coburger Land zu den am meisten unterschätzten Urlaubszielen Deutschlands. Tatsächlich wirkt die 41.000-Einwohner-Stadt, die erst seit der Volksastimmung von 1919 zu Bayern gehört, durchaus nicht provinziell. Coburg ist Stammsitz eines höchst einflussreichen Zweiges des Adelsgeschlechts der Wettiner: des herzoglichen Hauses Sachsen-Coburg und Gotha. Ein Erbe, dem die Residenz- und Europastadt Coburg allerhand stolze Repräsentanzbauten verdankt – und die zweitgrößte Burganlage Deutschlands ist nur eine davon.

Ihre Glanzzeit erlebten „die Coburger“ im 19. Jahrhundert. Feines diplomatisches Gespür, gepaart mit einem „guten Händchen“ für die richtige Heiratswahl, ließ sie zur bedeutendsten Dynastie aufsteigen – weltweit. Verwandtschaftlich eng verbandelt mit fast allen Fürstenhäusern des Kontinents schwangen die blaublütigen Ahnen „derer“ von Sachsen-Coburg und Gotha gleich in vier Königshäusern das Zepter: Neben Belgien, Bulgarien und Portugal vor allem auch auf dem britischen Thron – und das bis heute. Wss erklärt, weshalb immer wieder mal ein Windsor „in geheimer Mission“ ins Oberfränkische reist, um bei der lieben Verwandtschaft vorbeizuschauen.

Die Vorfahren der heutigen Coburger Herzogslinie waren Förderer der Reformation. Kurfürst Friedrich der Weise (1463-1525) stellte Martin Luther ganz persönlich unter seinen Schutz. Auch nach dem Tod des Kurfürsten durfte der sich in Coburg sicher fühlen. Denn Friedrichs Bruder, Johann den Beständige, quartierte Luther auf der Veste Coburg ein, wo der unter Kirchenbann und in Reichsacht stehende Reformator anno 1530 gefahrlos den Verhandlungen des Reichstags zu Augsburg folgen konnte – 25 Jahre noch vor Abschluss des Augsburger Religionsfriedens.

Kurioses Detail aus der Stadtgeschichte Coburgs: Auf der Judenbrücke, der ältesten noch erhaltenen Itzbrücke der Stadt, wurde 1629 der sogenannte „Naschkorb“ befestigt. Er diente dazu, Missetäter einzusperren, die sich des besonders verwerflichen Obstdiebstahls schuldig gemacht hatten. Im Korb gefangen wurden sie in die Itz getaucht, wobei zur Strafverschärfung auch der Boden aufgeklappt werden konnte. Sozusagen eine frühe Form des Waterboarding.

Und hier folgen noch ein paar aktuelle Tipps, die Ihnen Geschmack auf einen Besuch in Coburg geben sollen. Erstens: zwei Musikevents, die richtig Laune auf den Sommer machen. Zum einen: „Gregorian – Mystischer Zauber auf dem Schlossplatz“, am Sonntag, 19. August, um 20 Uhr. Zwei Tage nach dem Gastspiel von Xavier Naidoo gastieren zwölf klassisch ausgebildete Sänger aus England, die altertümliche und moderne Unterhaltungsmusik im Stil gregorianischer Choräle verbinden – darunter Welthits wie „Enjoy The Silence“ von Depeche Mode oder „Heaven“ von Brian Adams. Doch auch Eigenkompositionen bringt Gregorian zu Gehör. Zum zweiten die Matinée „Blue Bossa“ am Sonntag, 26. August, um 11 Uhr auf der Waldbühne Heldritt. Nice Ferreira, die Stimme Brasiliens in Europa, präsentiert Bossa Nova vom Feinsten: melancholisch und temperamentvoll zugleich.

Und wer es eher beschaulich und informativ mag, dem sei ein Besuch im Gerätemuseaum des Coburger Landes in Ahorn südwestlich von Coburg ans Herz gelegt. Noch bis 9. Dezember gibt es hier die Sonderausstellung „Hand und Fuß“ zu sehen, in der es um Handschuhe, Strümpfe und Schuhe aus zwei Jahrhunderten geht. Eben „galant oder praktisch“. Sehenswert!

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