Reisetipps für Bayern, Schwaben, Tirol, das Trentino und die Adria

22. April 2017

Bad Kissingen und die Rhön: Schon der Eiserne Kanzler kam immer wieder.

Das Land der offenen Ferne. So lässt sich die Rhön von Touristikprofis beschreiben. Und was fällt Ihnen zur Rhön ein? Vielleicht ja das Rhönrad – oder die Rhönschafe, eine der ältesten Schafrassen, bekannt für ihren schwarzen Kopf und das weiße Fell. Ja. Und sonst? Was spricht eigentlich für einen Rhön-Urlaub zu zweit?

Mindestens dreierlei. Denn die Rhön gibt es sozusagen gleich dreimal: als Hessische Rhön mit dem höchsten Rhöngipfel, der Wasserkuppe, und der Barockstadt Fulda. Als thüringische Rhön (Meininger Theater!). Und dann auch als Naturpark Bayerische Rhön mit der Hohen Rhön und der Brückenauer Kuppenrhön. Alle drei zusammen lassen ihre Gäste tief durchatmen – als Teil des UNESCO Biospärenreservats Rhön.

Schön ist es in der fränkischen Rhön, vor allem erholsam. Dafür sorgt ein einzigartiges Kurangebot. Fünf Kurorte haben den Ruf der Rhön als Zentrum der Bade- und Wellnesskultur begründet. Bad Brückenau, Bad Bocklet, Bad Königshofen (mit der FrankenTherme), Bad Neustadt und – allen voran – Bad Kissingen. Gerade mal 20.000 Einwohner klein, punktet die Große Kreisstadt im Saaletal mit ihrem Königlichen Staatsbad der Extraklasse und mit Superlativen noch und noch: (laut Emnid) bekanntester Kurort Deutschlands, eines der schönsten Wohlfühlbäder Europas, größtes Ensemble historischer Kurbauten, Ort des ersten Gradierwerks auf dem Kontinent. Und dann auch noch ältester Golfplatz Bayerns, nun ja.

Dass es die unterfränkische Schönheit in so vielen Dingen gut getroffen hat, verdankt sie einer frühen Entdeckung und den Vorlieben eines Bayernkönigs. Bereits anno 823 wurde die heilende Wirkung der Kissinger Quelle nachgewiesen. Im frühen 16. Jahrhundert zog es die ersten Kurgäste hierher. Viele namhafte Gäste versprachen sich Linderung ihrer Leiden, was wiederum auch immer mehr gesundheitsbewusste Bürger anlockte.

Auch Ludwig I von Bayern fand an Kissinger Kuren Gefallen. Schon als Kronprinz, im August 1820, reiste er an die Fränkische Saale und schwärmte von den wirksamen Bädern, in denen er bald einen „staatswirtschaftlichen“ Nutzen erkannte. Kaum auf dem Thron, ordnete er umfassende Investitionen an. Das brachte den Kurbetrieb auf Touren – und zeitgenössischen Baumeistern lukrative Aufträge. Friedrich von Gärtner und Leo von Klenze kamen, kurten und bauten. Im neuen Königlichen Staatsbad tummelten sich die Blaublüter. Bayernkönigin Therese, Caroline Bonaparte, die jüngste Schwester Napoléons, war 1837 zu Gast, später verschlug es auch Rossini und Tolstoi hierher.

Komponisten, Literaten, vor allem aber Europas Blaublüter und die große Politik gaben sich die Klinke in die Hand: Kaiserin Sisi, der russische Zar Alexander II und Reichskanzler Otto von Bismarck machten in Bad Kissingen ihre Aufwartung. Der Eiserne Kanzeler sogar 15-mal. Und der ließ sich dabei nicht einmal durch ein Attentat während seines allerersten Aufenthalts im Juli 1874 abschrecken. Bismarck hatte Glück und kam mit einer leichten Schusswunde davon. Kurios: Ausgerechnet ein zufällig anwesender Opernsänger verhinderte Schlimmeres.

Bad Kissingen ist voll von Geschichte – und Geschichten. Die vielleicht schönste aber hat nichts mit dem Kurbetrieb zu tun. Sie soll sich im Dreißigjährigen Krieg zugetragen haben, nämlich genau 1643 oder auch 1645, als die Schweden wieder einmal Kissingen belagerten. Ein Kissinger Bürger namens Peter Heil wusste Abhilfe in größter Not – und schleuderte den Angreifern Bienenkörbe entgegegen. Eine wohl einmalige Finte in der Kriegsgeschichte.

Wie wär’s? Gönnen Sie sich doch mal eine Auszeit im bekanntesten Geheimtipp Frankens. „Zeit für sich selbst und die wertvollen Dinge des Lebens“ nennt das der Bad Kissinger Kurdirektor Frank Oette. Wie Recht er hat! Drei Tipps: Erstens, das Heilwasser selbst! Das hat es wirklich in sich: Gleich um den Faktor 12 toppt es den Mineralstoffgehalt, wie er für Mineralbrunnen gefordert wird. Zweitens: Am 23. Juni, 19 Uhr, gastiert „Punkgeiger“ Nigel Kennedy beim Kissinger Sommer und spielt … Jimi Hendrix. Und drittens: noch einmal KissSalis. Unter dem Motto „1001 Nacht“ bietet die Therme attraktive Tagespakete an, ideal für den Kurzurlaub zu zweit. Die Kombi aus Fitness und Entspannung für 85 Euro inkludiert zwei Tageskarten einschließlich ThermenLandschaft und SaunaPark sowie Nutzung des Hamams mit Peelingsalz zur Eigenanwendung (50 Min.). Kostenloses Servicetelefon: 0800 9768800.

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