Reisetipps für den Urlaub in Bayern oder ein paar freie Tage zu zweit

15. November 2021

300 Quadratmeter Frankreich mitten in Bayern.

Zugegeben: Etwas klein ist der territoriale Vorposten der Grande Nation in Bayern schon. Nur etwa 15 mal 20 Meter misst der Fleck Erde, der zwischen Ober- und Unterhausen ganz in der Nähe von Neuburg a. d. Donau liegt – und Schauplatz eines besonderen Kapitels Kriegsgeschichte war.

Das Stück Land von der Größe eines Wochenendgrundstücks, das seit über 200 Jahren dem französischen Staat gehört, ehrt einen Nationalhelden Frankreichs. Um zu verstehen, wie es dazu kam, muss man zurück bis in die Zeit Napoléons, genauer gesagt: bis ins Jahr 1800, dem Jahr, in dem in Berlin die erste Dampfmaschine aufgestellt und die Briefpost in Betrieb genommen worden ist. Bewegte Zeiten, denn damals tobte Krieg in Europa, der zweite Koalitionskrieg: Großbritannien, Österreich, Russland, das Osmanische Reich, Portugal, Neapel und der Kirchenstaat hatten sich gegen die Revolutionsarmee der Franzosen verbündet.

Mit der gemeinsamen Entschlossenheit der Koalitionäre war es allerdings nicht weit her. Vor allem die Schlagkraft, mit der man sich dem Vormarsch Napoléons in den Weg zu stellen versuchte, ließ zu wünschen übrig. Hinzu kam, dass die österreichischen Truppen unter Heerführer Paul Freiherr Kray von Krajowa nun auch noch das Kriegsglück verlassen hatte. Am 27. Juni endlich sollte sich das Blatt wenden. An diesem Tag trafen Krays Einheiten im bayerischen Schwaben auf die Truppen des Generals Jean Victor Moreau.

Tags zuvor hatten die Österreicher die Donau überquert und nördlich sowie südlich von Neuburg Stellung bezogen. Auch eine Anhöhe zwischen Ober- und Unterhausen hielten sie besetzt. Auf diese Stellung hatten es die Franzosen abgesehen. Tatsächlich nahmen sie die Höhe ein – ein Pyrrhussieg, denn unter den Gefallenen war ein überaus prominenter Soldat: Théophile La Tour d’Auvergne.

La Tour, der einer der angesehensten Adelsfamilien Frankreichs entstammte, hatte bereits eine große Karriere hinter sich, als er sich erneut der Revolutionsarmee anschloss. Schon 54 Jahre alt, war er als hochdekorierter Offizier eigentlich bereits drei Jahre zuvor ehrenvoll aus der Armee verabschiedet worden. Doch war er noch einmal als Kriegsfreiwilliger zurückgekehrt – und dies aus wahrlich hehren Gründen. Bewogen hatte ihn ein Freundschaftsdienst: Ein alter Studiengenosse, der im Krieg fast alle seine Kinder verloren hatte und nun auch noch seinen letzten Sohn auf der Aushebungsliste wiederfand, hatte sich verzweifelt an La Tour gewandt. Der zögerte nicht lang, dem Freund beizustehen. Von höchster Stelle erwirkte La Tour d’Auvergne die Erlaubnis, für den Sohn des Freundes ersatzweise einzurücken.

Es wurde La Tours letzter Kampf: Ein österreichischer Säbel soll ihn mitten ins Herz getroffen haben. Drei Tage lang verordnete Frankreich seinen Truppen Trauer, Napoléon persönlich verlieh dem gefallenen Ehrenmann post mortem den Titel „Premier Grenadier de France“ und ließ ihm nach der gewonnenen Schlacht ein Denkmal errichten. Um es dauerhaft unter Schutz zu stellen, kaufte die Republik Frankreich das Areal einem Bauern ab. Ende September 1800 wurde La Tour d’Auvergne hier gemeinsam mit einem Oberst und zwei französischen Offizieren beigesetzt. 89 Jahre später erfolgte die Exhumierung und Überführung der sterblichen Überreste in das Panthéon nach Paris. Für den Ankauf von La Tours siberner Urne hatte jeder Soldat des Heeres seinen Tagessold gespendet.

Noch heute steht das Denkmal für La Tour in Form eines Steinsarkophags auf einer Anhöhe in der Nähe von Oberhausen – und der Grund darum herum gehört dem französischen Staat noch immer.

Quelle: wikipedia

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