Reisetipps für den Urlaub oder ein paar freie Tage zu zweit in Bayern

8. Februar 2012

Von Tessa und anderen Pinselohren.

Kuschelig, aber wild ... Foto: luchserleben.de

„Die kleine Stadt am großen Wald“ – so bezeichnet sich der Luftkurort Freyung gerne selbst. Keineswegs zu Unrecht, schließlich ist die unmittelbare Nähe zum größten zusammenhängenden Waldgebiet Europas überall spürbar. Die Natur – hier am Rande des südlichen Bayerischen Waldes gehört sie wie selbstverständlich zum Leben. Ein Umstand, der Naturschützern besondere Verantwortung auferlegt. Zum Beispiel, wenn es um den Schutz des Luchses geht. Der hochbeinigen Katze mit den Pinselohren gilt seit einigen Jahren das Interesse des sogenannten „Telemetry Teams“, in dem deutsche und tschechische Forschergruppen aus den Nationalparken Bayerischer Wald und Sumava grenzüberschreitend zusammenarbeiten.

Bär, Wolf und Luchs – diese drei Großräuberarten bevölkerten früher den Bayerischen Wald. Bis Mitte oder Ende des 18. Jahrhunderts, als auch der letzte von ihnen von Jägern erlegt worden war. Anders als Bär und Wolf darf der Luchs seit den Achtzigerjahren einen Neuanfang wagen. Damals – also noch zu Zeiten des Eisernen Vorhangs – kehrte der Luchs wieder in seine angestammten Lebensräume zurück. Ein Erfolg des tschechischen Naturschutzes, der Schrittmacherdienste bei der Wiederansiedlung leistete. Politische Differenzen hin oder her.

Heute ist die Kooperation unter dem Zeichen des Naturschutzes tägliche Praxis.
Schließlich scheren sich Wildtiere reichlich wenig um Staatsgrenzen. Die Hirsche etwa, von denen einige die Sommermonate in den Hochlagen des Böhmerwaldes verbringen, während sie im Winter auf die bayerische Seite wechseln. Oder eben der Luchs, das Wildtier des Jahres 2011. Einige Exemplare der dämmerungsaktiven Einzelgänger mit dem Stummelschwanz betreuen die Wildtierbiologen seit etwa zwei Jahren in ihrem Monitoring-Programm. Um den Wildkatzen „auf den Fersen“ zu bleiben, setzen die Biologen ein bewährtes Hilfsmittel ein: Die Tiere erhalten ein Senderhalsband, über das sie geortet werden können.

Darüber hinaus kommen seit 2008 auch sogenannte Fotofallen zum Einsatz, mit denen sich die Zusammengehörigkeit einzelner Tiere dokumentieren lässt. Die Bilder geben aber auch Aufschluss darüber, wo die Luchse unterwegs sind – und in welcher Zahl. Zudem lassen sich die Tiere anhand ihres individuellen Fellmusters identifizieren. Derzeit sind an etwa 60 Standorten im Bayerischen Wald sowie im Nationpark Sumava Kameras positioniert. Mit Erfolg. So konnten diesseits und jenseits der Grenzen bereits mindestens 16 selbstständig lebende Luchse ausfindig gemacht werden. Mit anderen Worten: Jeder Luchs beansprucht ein Revier von rund 100 Quadratkilometern.

Unumstrittener „Foto-Star“ des deutsch-tschechischen Wissenschaftlerteams war zuletzt die Luchsin Tessa. Telemetriedaten zeigten, dass sich ihr Wirkungsradius seit Mai vergangenen Jahres wesentlich eingeengt hatte – ein Indiz dafür, dass das Weibchen trächtig war. Am 30. Oktober 2011, nachts um 3:47 Uhr, tappste die Luchsin unterhalb des Rachel-Berges durch eine automatische Fotovorrichtung. Seither besteht Klarheit: Tessa ist Mama mindestens eines Luchsjungen.

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