Reisetipps für den Urlaub in Bayern oder ein paar freie Tage zu zweit

7. April 2013

Neumarkt: Das hätten Sie hier nicht erwartet …

Kennen Sie die Gewinner-Stadt des Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2012, die viermalige Preisträgerin des UNESCO-Titels „Stadt der Weltdekade“, die „Kommune 2010“, die Stadt mit einer deutschlandweit rekordverdächtig niedrigen Pro-Kopf-Verschuldung? Willkommen in Neumarkt, der 40.000-Einwohner-Boomtown in der Metropolregion Nürnberg! Auch wenn Ihnen die Stadt in der Oberpfalz auf den ersten Blick verschlafen erscheinen mag: Lassen Sie sich nicht täuschen, Neumarkt macht seinem Slogan („Starke Stadt“) alle Ehre.

Bis vor noch nicht allzu langer Zeit gab es eigentlich nur zwei Gründe für einen Besuch in Neumarkt: die Burgruine Wolfstein und das Jura-Volksfest. Letzteres wird seit 1829 veranstaltet und findet heute jährlich um Mariä Himmelfahrt für die Dauer von elf Tagen statt. Die Burg Wolfstein, einst als Adelsburg errichtet und seit Ende des 17. Jahrhunderts dem Verfall preisgegeben, präsentiert sich wieder in einem sehr guten Zustand. Umfassende Ausgrabungen und Sanierungen seit Mitte der 1990er-Jahre haben die über einen Burggrabenbrücke betretbare Anlage in ein echtes Schmuckstück verwandelt. Zuletzt waren ein Brunnen, Gewölbebögen sowie die einstige Marienkapelle freigelegt worden

Frei zugänglich ist die Burg das ganze Jahr hindurch, sonntags werden Führungen angeboten, für die man auch den Bergfried öffnet. Aus 22 Metern Höhe bietet sich von hier ein 360-Grad-Panoramablick über Neumarkt und die angrenzenden Gemeinden der Fränkischen Alb.

Doch nicht nur von oben lohnt ein Blick auf Neumarkt. Empfehlenswert ist überdies ein Bummel über den Oberen und Unteren Markt, in deren Mitte das Rathaus platziert ist. Biegen Sie doch einfach mal Richtung Klostergasse ab und nehmen Sie die zweite Gasse links. Gleich neben der Hofkirche liegt der Historische Reitstadel. Einstmals Zeughaus dient das Gebäude  als Konzertsaal mit einem Fassungsvermögen von 462 Sitzplätzen. Hervorragend: seine Akustik. Seit Jahren wird der Reitstadel darum für internationale CD-Einspielungen und Rundfunkmitschnitte genutzt. Seine nächste Bewährungsprobe findet Neumarkts Musiktempel am 28. April, wenn die „CubaBoarischen“, optisch begleitet von kubanischen Tänzerinnen, ihre Ländler mit Latin-Groove zu Gehör bringen.

Salsa-Polka mit ansteckend guter Laune ist im „Museum Lothar Fischer“ zwar nicht zu erwarten. Einen Besuch lohnt die ständige Werkschau im Stadtpark aber dennoch. Fischer, geboren 1933 in Germersheim und verstorben im Jahre 2004 in der Nähe von München, gilt als einer der maßgeblichen deutschen Bildhauer der Nachkriegszeit. Als Mitbegründer der Künstlergruppe „Spur“ wirkte er stilbildend für die Malergeneration der frühen Bundesrepublik. Fischer lehrte in Berlin und Salzburg, gehörte der „Bayerischen Akademie der Schönen Künste“ an und fühlte sich der ihm aus seiner Jugendzeit vertrauten Stadt Neumarkt besonders verbunden. Nur vier Tage nach seinem Tod eröffnete hier am Schlossweiher ein topmodernes Museum, das heute einen Großteil des Lebenswerks und Nachlasses von Lothar Fischer zeigt.

Tipp Nummer 3 führt Sie ebenfalls ins Museum – doch diesmal in die Welt außergewöhnlicher Automobile. Das Neumarkter Maybach-Museum versammelt 16 Original Maybach-Fahrzeuge und damit etwa 10 Prozent des heute weltweit noch existierenden Bestands historischer Fahrzeuge dieser Marke. „Maybach“ gehört zu den bedeutendsten Fabrikaten der Automobilgeschichte. Lediglich 1.800 Exemplare waren zwischen 1920 und 1941 in der Maybach-Manufaktur in Friedrichshafen produziert worden.

Das Neumarkter Maybach-Museum zeigt nicht nur traumhaft schöne Automobil-Preziosen, sondern auch Motoren, Getriebe und Achsen sowie geschichtliche Dokumentationen, Modelle und Kurzfilme rund um die glanzvolle Marke. Der Eintritt für Erwachsene kostet 9 Euro.

Wo übernachten? Falls Ihnen der Sinn nach „toller Aussicht“ steht, ist sicher das „Hotel Schönblick“ im Ortsteil Höhenberg anzuraten. Die 3-Sterne-Herberge besticht durch seine ruhige Panoramalage, seine beliebte Terrasse, den kleine, aber feinen Saunabereich und eine sehr gute Küche.

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