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12. August 2017

Kreisrund und gleich um die Ecke: Nördlingen!

Die schönsten Ecken sind rund. Wenn dieser Slogan zu einer bayerischen Stadt passt, dann 100-prozentig zu Nördlingen, der ehemaligen Freien Reichsstadt im Ries. Die Stadtmauer, ihr Markenzeichen, ist ein Unikum: Als kreisrunder Mauerwall angelegt, lässt sich auf ihr die Altstadt vollständig umrunden, ohne auch nur einmal herabsteigen zu müssen – einmalig in Deutschland.

Überhaupt scheint das über zweieinhalb Kilometer lange begehbare Denkmal das mittelalterliche Juwel an der Romantischen Straße wie in einer Zeitkapsel konserviert zu haben. Wie seit altersher gelangt man durch eines der fünf Stadttore zu den Plätzen der Stadt – durch das Baldinger Tor, das Berger Tor, das Reimlinger Tor, das Deininger Tor oder das Löpsinger Tor, in dem auch das Stadtmauermuseum untergebracht ist. So sehr unterwegs auf der Stadtmauer auch die Perspektiven wechseln – St. Georg, die spätgotische Kirche im Herzen der Stadt, bleibt doch von jeder Position aus gut zu sehen. Ihr Turm, der “Daniel”, grüßt – 90 Meter hoch – weit sichtbar in alle Richtungen.

Um herauszufinden, was die Region um Nördlingen aber wirklich einzigartig macht, muss man in die Erdgeschichte weit zurückblicken – unvorstellbare 14,6 Millionen Jahre. Was heute als Ries bezeichnet wird, ist die Folge einer kosmischen Katastrophe, die sich im Zeitalter des Miozän ereignet hat. Damals schlugen ein Meteorit von rund anderthalb Kilometern Durchmesser und ein siebenmal kleinerer Trabant auf der Albhochfläche ein. Beim Aufprall mit rund 70.000 km/h verdampften beide Himmelskörper fast vollständig – zurück blieb ein größerer Krater von etwa 20 × 24 Kilometern Ausdehnung – er füllte sich mit einem See, der nach und nach durch Sedimente aufgefüllt wurde. Aus dem zweiten, deutlich kleineren Krater entstand das Steinheimer Becken, heute ein Teil des württembergischen Landkreises Heidenheim.

Die gigantischen Auswirkungen, die diese kosmische Kollision für den gesamten süddeutschen Raum hatte, lassen sich heute im RieskraterMuseum erkunden. Dort gibt es zum Beispiel Original-Impaktgestein des spektakulären Ereignisses zu besichtigen. Darüber hinaus sind auch immer wieder Sonderausstellungen zu sehen – noch bis 4. März 2018 die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt realisierte Schau “Mars Express – Europas Blick auf unseren roten Nachbarn”.

Ein schöner Anlass, die Ries-Stadt zu besuchen, bietet sich am Wochenende, 23. und 24. September. Dann findet der Nördlinger Kunst- und Kreativmarkt statt. Beginn ist am Samstag um 10.00, am Sonntag um 11.30 Uhr.

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