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15. Januar 2018

Goes: „Een beetje“ Bayern in den Niederlanden.

Heute entführt Sie unser Urlaubsblog bis in die südlichen Niederlande – an einen Ort, wo den Bezug zu Bayern wohl niemand so recht vermuten würde.

Mit seinen 37.500 Einwohnern ist Goes in der Provinz Zeeland nicht nur eine quicklebendige Einkaufsstadt mit vielen kleinen Läden, in denen sich wunderbar „winkelen“, also bummeln lässt. Das Städtchen auf der Halbinsel Zuid-Beveland, 27 Kilometer von der Provinzhauptstadt Middelburg entfernt, steht auch für ein geschichtliches Kuriosum, dessen sichtbares Zeugnis an der Fassade des alten Rathauses zu bestaunen ist: Dort am „stadhuis“, mitten auf dem Stadtplatz, prangen die bayerischen Rauten.

Handel und Wandel, Salz und Schifffahrt: Im weltoffenen Zeeland spielen Wasser und Wirtschaft seit jeher eine große Rolle. In Goes wurden schon im 12. Jahrhundert Märkte abgehalten. Drei Jahrhunderte später erhielt der Ort das Recht, eine Stadtbefestigung zu bauen – damals die Lizenz zum wirtschaftlichen Aufstieg. Zu verdanken hatte Goes dies einer in Den Haag geborenen Wittelsbacherin: Jacoba van Beieren.

Jokoba, die sich auf deutsch Jokobäa und französisch Jacqueline nannte, war Enkelin Herzog Albrechts von Bayern. Als Herrscher des Herzogtums Bayern-Straubing hatte er – als Folge der wittelsbachischen Erbteilungen – unter anderem den Titel eines Grafs von Holland, Zeeland und des Hennegau ererlangt. Das Teilherzogtum Straubing-Holland bestand von 1353 bis 1425/29 und wurde paritätisch von Straubing und Den Haag aus regiert. Sein bayerischer Teil umfasste das sogenannte Straubinger Ländchen. Es reichte als vergleichsweise geschlossenes Territorium von Kelheim an der Donau im Westen bis Schärding im Osten, und von Furth im Wald im Norden bis nach Dingolfing im Süden.

Genau in die Epoche des Herzogtums fiel auch der Aufstieg der Stadt Goes in Zeeland; 1417 war überraschend Albrechts Sohn Herzog Wilhelm II. von Straubing-Holland gestorben. Als einziges seiner ehelichen Kinder rückte Jacoba damit als Gräfin der niederländischen Grafschaften Hennegau, Holland, Seeland und Friesland nach. Das Wappen mit den bayerischen Rauten und den vier Löwen des Hennegau behielt sie bei.

Jacoba von Bayern, die ihr Erbe mit erst 16 Jahren antreten musste, ist nur 35 Jahre alt geworden. Vier Ehen ging sie ein; doch hat sie aus der Männerwelt, wie es ein Chronist beschrieb, offenbar „nur glänzende Nieten gezogen“. Dreimal trat sie aus politischer Raison vor den Traualter, einmal heiratete sie aus Liebe. Doch auch diese letzte Ehe (mit dem seeländischen Adligen Frank van Borsselen) war kinderlos geblieben.

Offenbar frühzeitig hat das Schicksal Jocobas die Phantasie ihrer Untertanen beflügelt. So sehr, dass ein regelrechter Jacoba-Kult entstand. Als Folge davon nahm Jacoba van Beieren in der niederländischen Tradition eine ähnliche Rolle ein wie ihre Zeitgenössinnen Agnes Bernauer (in der bayerischen) oder Jeanne d’Arc (in der französischen). In der Maria Magdalenakerk zu Goes ruhen die Gebeine Jacobas seit Jahrhunderten; doch das Schicksal der bayerischen Gräfin rührt die Menschen bis heute.

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