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17. Juni 2016

Der Himmel der Bayern: Der Freistaat und sein Reinheitsgebot.

500 Jahre Reinheitsgebot: Kein anderes Jubiläum wärmt die bayerische Seele so sehr wie der große Geburtstag des „puren“ Gerstensafts. Nicht nur auf den vielen Volksfesten im Freistaat setzt sich das feierliche Traditionsbewusstsein die Schaumkrone auf; auch das Kloster Aldersbach im Passauer Land stimmt in die Schar der Gratulanten ein. Noch bis Ende Oktober würdigt man hier das Jubiläum im Rahmen der Landesausstellung „Bier in Bayern“.

Gerade mal vier Zutaten braucht es für gutes Bier: Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. So will es das legendäre Reinheitsgebot, das in Bayern schon seit 1516 Gültigkeit hat. Dass die historische Bier-Verordnung noch bist heute gilt, adelt nicht nur die Prinzipientreue, sondern freut vor allem auch die Brauerzunft im Freistaat: Denn die Rezeptur des reinen Biers hat sich längst als Standortvorteil bewährt.

Im Kloster Aldersbach bekommt Bayerns süffiges Alleinstellungsmerkmal viel Platz, um sich selbst zu feiern: Die Ausstellung auf rund 1.400 Quadratmetern blickt zurück zurauf die Kulturgeschichte eines Getränks, das für den Freistaat und seine Bewohner bis heute etwas ganz Besonderes ist: Mythos, Markenzeichen und damit Insignie typisch bayerischer Lebensart.

Ganz in diesem Sinne schenkt die Schau ihren Besuchern eine Vielzahl von „bierseligen“ Eindrücken ein: Von den klassischen Wirtshäusern und Kosterbrauereien über die staatlichen Brauhäuser bis hin zu den Geheimnissen des Brauwesens spannt sich der Themenbogen. Zu sehen sind kunstvoll gefertige Maßkrüge ebenso wie die Zunftschätze der Brauer. Aufwenige mediale Installationen versetzen den Betrachter zurück in die Braustätten früherer Tage.

Dabei ist der Ort der Ausstellung mit Bedacht gewählt: Noch lange vor der Einführung des Reinheitsgebots, nämlich bereits im 13. Jahrhundert, wurde im Kloster Aldersbach Bier gebraut. Eine historische Brauerei sowie eine top-moderne Schaubrauerei zeugen vom Wandel der Zeiten. Im Laufe der Epochen hat das einträchtige Nebeneinander von Stammbisch und Sakristei eine ganz eigene Architektursymbiose hervorgebracht: hier die barocke Marienkirche der Asam-Brüder, dort das zünftige Braustüberl gleich nebenan. Alkohol und Abbitte, Sündenfall und Vergebung – in Aldersbach sind es vom einen zum anderen nur wenige Schritte.

Fahren Sie doch mal hin und erleben bayerische Gastlichkeit, untermalt von Konzerten – mit Klassik oder „Heimatsound“. Auch Kabarett-Abende, eine Biermesse mit Braukunstfestival, Verkostungen von Bieren aus ganz Bayern und einiges mehr stehen auf dem Programm. Der Eintritt kostet für Erwachsene 10 Euro, Senioren und Studenten bezahlen 8 Euro.

Eine hervorragende Gelegenheit, das Bier – seinem feierlichen Anlass entsprechend – hochleben zu lassen, bietet sich auf Bayerns zweitgrößtem, aber sicherlich volkstümlichsten unter den Volksfesten im Freistaat, dem Straubinger Gäubodenfest. Von 12. bis 22. August dreht sich in der niederbayerischen Donaustadt wieder alles rund um die Mass. Zeitgleich füllen sich auch in der Oberpfalz, auf dem Neumarkter Jura-Volksfest, wieder die Bierzelte. Die Anfänge in Neumarkt reichen übrigens bis 1829, in Straubing bis ins Jahr 1812 zurück. Das Münchner Oktoberfest ist sogar noch älter: Der Verläufer der heutigen Wiesn fand erstmals 1810 statt.

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