Reisetipps für den Urlaub oder ein paar freie Tage zu zweit in Bayern

9. Oktober 2011

Der Ammersee und die Yacht des Zaren.

16,2 Kilometer lang, zwischen drei und fünf Kilometer breit: das ist der Ammersee. Bayerns drittgrößter See kultiviert das mittlere Maß – in seines Wortes schönster Bedeutung. Nicht zu groß und nicht zu klein schmiegt sich der Ammersee ins Bayerische Alpenvorland. Ideale Voraussetzungen, um seine 43 Kilometer Umfang stressfrei zu erkunden.

Spricht man vom Ammersee, sollte man sich auch schon genauer fassen: Welche Uferseite ist gemeint? Die westliche – also die zum Landkreis Landsberg-Lech gehörende – oder die gegenüberliegende, die schon das chice Starnberger Flair umweht? Hie Schondorf, Utting und Dießen – dort Herrsching und der „Heilige Berg“ von Kloster Andechs. Hie zumeist ruhig und ein bisschen verträumt – dort oftmals „grantelnd“ und im Wellengang voll schäumender Gischt. Fischerkähne und Seglerparadies. „Künstlersee“ und „Bauernsee“: Obwohl ein und dasselbe Gewässer, gibt sich der Ammersee gern immer wieder eine Nuance anders.

Im Grunde freilich ist der Ammersee ein gemütlicher Ort, gesäumt von liebenswürdigen Ufergemeinden. Alles hält hier sein menschliches Maß: Die Orte – übersichtlich, das Leben – beschaulich tolerant. Auch der See schlägt da nicht aus der Art. „Schick di“, sagt der Bayer, wenn er zur Eile mahnt. Doch der Ammersee hat’s nicht brisant. Rund zweidreiviertel Jahre braucht er, um sich komplett zu erneuern. Und wenn die im Süden zufließende Ammer den See nordwärts wieder verlässt, heißt sie Amper. Mehr Veränderung braucht es nicht.

Wer ein paar Urlaubstage am Ammersee plant, darf ruhig ein wenig Zeit mitbringen. Vieles gibt es hier zu entdecken. Zum Beispiel die „Schwedeninsel“ – das einzige Eiland im See. Eigentlich hört sie auf den Namen „Erlaich“, doch der Dreißigjährige Krieg hat ihr geschichtliche Bewandtnis gegeben. Damals bot die Insel den Dießener Bürgern wiederholt Zuflucht vor den marodierenden Schweden. So hat sich der skandinavische Anklang im Beinamen verewigt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Insel im Ammersee übrigens ein beliebtes Ausflugsziel. Auch ein kleines Café gab es dort. Doch das Idyll endete jäh, als sich die Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg ausgerechnet diesen friedlichen Ort zum Übungsziel auserkor. Nach einem Dornröschenschlaf, Ende der Siebzgerjahre, kehrte das Leben wieder in den Seesüden zurück: als „Vogelfreistätte“, auf 500 Hektar Fläche reserviert für den Natur- und Artenschutz.

Frei wie der Wind – dieses Gefühl lässt sich bei einem Ammersee-Seglerurlaub hervorragend nachempfinden. Zum Beispiel in der Pension Stefan Marx in Utting. Die Unterkunft bietet vier Zimmer, Bed & Breakfast und eine Ferienwohnung. Von hier sind es ganze 50 Meter zum Ammersee-Ufer; nebenan liegen das Strandbad mit Sprungturm, die Seepromenade mit Dampfersteg und Bootsverleih.

Übrigens: Am Ammersee, wo der Dießener Heinrich Seidl 1928 Deutschlands erste private Binnen-Segelschule gründete, haben heute viele Segelvereine ihren Sitz; regelmäßig richten sie Regatten aus. Und noch ein Tipp: Sie können bei Stefan Marx, dem heutigen Inhaber der Ammersee-Segelschule, sogar eine Mitsegeltour auf einer über 100 Jahre alten Segelyacht buchen: die inzwischen von Grund auf generalüberholte „Albatros“ war einst ein Geschenk des russischen Zaren Nikolaus II an den Württembergischen König Wilhelm II.

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