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12. März 2014

Rhodt unter Rietburg: Eine Reise in die weiß-blaue Vergangenheit der Pfalz.

Ludwig I. und Therese: Seit 1852 hatte das bayerische Monarchenpaar in der Wahl seiner Sommerfrische einen klaren Favoriten, die südliche Pfalz bei Edenkoben. Erstmals verbrachten beide in jenem Jahr ihre Ferien in der Villa Ludwigshöhe. Hier in seinem neuen Schloss, das der Wittelsbacher nach italienischem Vorbild hatte errichten lassen, fand seine affärengeschundene Seele willkommene Labsal. Nach der gar nicht statthaften Liaison mit der Tänzerin Lola Montez war Ludwig nichts als die Abdankung geblieben. So suchte er – fernab von München – ein Refugium, in dem er nunmehr zumindest seiner Liebe für alles Italienische frönen konnte. – Begeben Sie sich mit TraumPanorama auf eine nostalgische Reise nach Rhodt unter Rietburg.

Wie mag es dem kunstsinnigen Ludwig damals im Juli 1852 wohl ergangen sein – ihm, den man in München hinter vorgehaltener Hand einen „Hallodri“ schalt? Ausgerechnet! Als er im Landauer an der Seite seiner Gattin zum ersten Mal vom herrschaftlichen Feriensitz mit Blick über sanft geschwungene Weinhänge nach Rhodt hinabrollt, säumen nicht allzu viele neugierige Untertanen die königliche Strecke. Unter denen aber, die gekommen sind, stecken manche die Köpfe zusammen. Worüber sie wohl tuscheln? Ja, die linksrheinische Pfalz gehörte zu Bayern, 36 Jahre zuvor war sie als „Rheinkreis“ ins Königreich eingegliedert worden. Doch eine Liebe wurde das Verhältnis zu den vielfach als Besatzern empfundenen Landesherren nicht; immer wieder war seit dem Hambacher Fest von 1832 offenes Ressentiment aufgeflammt.

Trotzdem: Hier, in der westlichen Exklave seines Reiches, wurde der „König im Ruhestand“ freundlich empfangen. Das jedoch scheint eher an seiner Gattin Therese gelegen zu haben, die sich bei der Bevölkerung großen Ansehens erfreute. Die fromme Protestantin, vormals Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen, die auch im tiefkatholischen Bayern an ihrem lutherischen Glauben festhielt, war im ganzen Bayernreich beliebt – so sehr, dass ihr die Münchner schon anlässlich ihrer Vermählung mit dem Kronprinzen das Oktoberfest samt Theresienwiese gewidmet hatten. Die Untertanen wussten offenbar, was sie an ihrer Therese hatten; schließlich hatte ihr auch der große Napoleon schon den Hof gemacht.

Doch auch das ist längst passé, als Therese ihren ersten Pfälzer Sommer mit Ludwig genießt. Unbeschwerte Wochen verbringen sie hier. Jedenfalls scheint die Sommerfrische auf Ludwigshöhe den beiden auf Anhieb so gut gefallen zu haben, dass sie es sich zur Angewohnheit machten, ihre Sommerferien von da an alle zwei Jahre im alten Südpfälzer Weinort zu verbringen. Aufenthalte, über die der Ex-Monarch immer wieder ins Schwärmen geriet – gipfelnd in seinem geflügelten Wort, wonach er das rebenbestandene Land zu Füßen seiner „toskanischen“ Villa als seines Reiches schönste Quadratmeile pries.

Was Ludwig dabei zusätzlich für seine Sommerresidenz einnahm, war die Tatsache, dass seine Gattin bei den Bürgern bestens ankam. Die Menschen liebten ihr mitfühlendes Wesen und ihre ganz unprätentiöse Art. So wie sie selbst besuchte Therese sonntags den Gottesdienst. Sporadische Anlässe zwar, doch offenbar bedeutsam genug, um ihr im Gottenhaus eigens einen Sessel mit dem silberbestickten Initial ihres Namens zu reservieren.

Das Utensil ist noch heute zu bestaunen – genauso wie ein anderes Geschenk, das die Rhodter ihrer Therese machten und das vom heutigen Ortsbild nicht mehr wegzudenken ist: die Rosskastanien-Allee. Ihre Bäume, inzwischen über 150 Jahren alt, waren nur zu dem Zweck gepflanzt worden, der hohen Besucherin auf ihren Fahrten zur Kirche ein wenig Schatten zu spenden. Dafür zeigte sich Therese dankbar – und bei ihren Gastgebern durchaus erkenntlich: So stiftete sie einen Kindergarten, der als kommunale Einrichtung ebenfalls bis in unsere Zeit überdauert hat.

Sie sehen: Rhodt unter Rietburg und seine Villa Ludwigshöhe bergen einen reizvollen historischen Schatz. Fahren Sie doch mal hin und tun Sie es einfach der Königsgattin gleich: Parken Sie Ihr Gefährt unter einer der stattlichen Kastanienbäume und schlendern Sie über die Pflasterstein-Allee, die heute „Theresienstraße“ heißt. Sie ist eine der längsten innerstädtischen Alleestraßen in Deutschland – und ganz sicher auch eine der schönsten. Auf Schritt und Tritt laden lauschige Weinstuben und stimmungsvolle Winzerhöfe zur Einkehr ein. Wie überhaupt die pfälzische Küche ja ein Fest für den Gaumen ist! Wer noch nie den berühmten Saumagen probiert hat – hier bietet sich dazu reichlich Gelegenheit.

Kost und Logis: In Rhodt ist für beides gesorgt. Ferienwohnungen, Ferienhäuschen (eines der hübschesten davon, das „Schneckenhäusl“, liegt am Weg) gibt es in großer Auswahl. Unter den Hotels sind vor allem die „Alte Rebschule“, eine 4-Sterne-Herberge zu Füßen der Ludwigshöhe, und der „Rhodter Adler“ zu nennen. Und auch ein Reiseanlass ist schon in Reichweite: Das WeinTestival & KunstFestival von Freitag, 25. April, bis Sonntag, 27. April, ist das ideale Warm-up für Ihren Pfalzsommer. Zum Wohl!

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