Reisetipps für den Urlaub oder ein paar freie Tage zu zweit in Bayern

24. Februar 2012

Chiemsee-Frühling: Reif für die Inseln.

Blick auf die Fraueninsel

Der Chiemsee – in einem Anflug von Selbstironie gerne auch als das „Bayerische Meer“ bezeichnet – ist eines der beliebtesten Reiseziele des Freistaats. Völlig zu Recht; denn abseits von Bootsfahrtidylle und Märchenschlossromantik verblüfft hier allerhand Unerwartetes. Wozu das süffige Inselbräu-Bier jedoch definitiv nicht zu rechnen ist.

Seen, denken Sie, gibt’s zwischen Spessart und Karwendel doch genug? Was macht Bayerns größten See für Landflüchtlinge denn so anziehend? Paradox: Es ist das Land im See, die drei Chiemsee-Inseln, von denen jede ihr ganz eigenes Flair pflegt. Allein schon die sinnige Namensgebung! Herreninsel, Fraueninsel – man sieht sie förmlich vor sich: Zwei Eilande, getrennt und doch einander aufs Innigste zugewandt, gleich Philomen und Baucis, die sich in Eiche und Linde verwandelten, um des anderen auch im Tod gewiss zu sein. Nicht zu vergessen: Insel Nummer drei – die unbewohnte Krautinsel, die über den Sommer als Weide für das Vieh der Bauern dient, die um den See herum ansässig sind. Mit dem kleinen Unterschied, dass sie ihre Tiere nicht auf die Weide treiben, sondern übersetzen.

Nichts ist so, wie es scheint, glaubt der Volksmund. Da glaubt er recht! Hier mitten im Chiemsee gibt’s zwei Schlösser (beide auf der Herreninsel). Zumindest die eine – des Märchenkönigs Ludwig II. fast originalgetreue Nachbildung von Schloss Versailles – erscheint wie eine Fata Morgana: Ihre pompöse Spiegelgalerie ist mit 98 Metern sogar länger als das französische Original! Viel bescheidener geht’s da nebenan auf der Fraueninsel zu. Dort steht ein Nonnenkloster, das noch knapp 30 Benediktinerinnen beherbergt: die Abtei Frauenwörth.

Per pedes zu umrunden ist die Fraueninsel in 20 Minuten, doch wer in der kleinsten politischen Gemeinde Bayerns auf Entdeckungstour geht, sollte ruhig etwas mehr Zeit mitbringen. Gut, 50 Häuser und rund 250 Einwohner sind nicht die Welt; doch lassen Sie sich überraschen. Am besten, Sie beginnen mit einem Besuch im Klosterladen. Und einem Chiemseer Kräuterlikör; denn der sollte als Mitbringsel in jedem Fall den Weg in Ihr Handgepäck finden. Selbstredend, dass die Zutaten aus dem klostereigenen Kräutergarten stammen. Schließlich gedeiht im milden Inselklima alles prächtig, fast wie auf der Mainau im Schwäbischen Meer.

Im Gegensatz zur deutlich größeren Herreninsel gibt es auf Frauenwörth sogar Ferienwohnungen auch für zwei Personen, und alle können sie mit Uferlage aufwarten. Auch die Verpflegung ist sichergestellt: Zum einen bieten ein kleiner Inselladen und ein (zweimal pro Woche geöffneter) Lebensmittelmarkt die Gelgenheit zum Inselshopping. Zum anderen ist da ja auch noch das Bräustüberl, das nicht nur satt (Chiemseefisch!), sondern auch glücklich macht – dank sensationeller Ausblicke auf tausendjährige Linden und bezaubernde Sonnenuntergänge. Und wenn Sie sehr viel Glück haben, erhaschen Sie sogar ein Glas Wein aus dem Chiemseegebiet. Sehr richtig! Vor wenigen Jahren wurden an einem steilen Südhang über dem See erstmals Rebstöcke gepflanzt, die seither gut gedeihten. Ob sie wohl diesem Winter trotzen konnten?

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